Gedanken
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Schreibtypen und Schreibtechniken

◊ Wenn Du ganz ehrlich zu Dir selbst bist, ging es Dir vermutlich zunächst ähnlich wie mir und vielen anderen. Meist haben wir viele gute Bücher gelesen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das auch können. Einfach so, ohne besondere Schreibtechnik. Schließlich haben wir Schreiben schon in der Schule gelernt – vielleicht sogar gute Noten und tolle Bemerkungen von unseren Lehrern bekommen. Der französische Philosoph Blaise Pascal drückte das im 17. Jahrhundert so aus:

„Die besten Bücher sind die, von denen jeder meint, er habe sie selbst schreiben können.“

Vermutlich hast auch Du irgendwann vor den ersten Seiten Deines Meisterwerks gesessen und musstest Dir ebenfalls eingestehen, dass ein Buch zu schreiben eine ganz andere Welt ist. Das es doch viel mehr Know-how über das Wie erfordert – am besten eine Schreibtechnik.

Schreibtypen

Wenn du noch wenig oder gar keine Erfahrung mit dem Schreiben von Büchern hast, bietet es sich an, dass Du Dir die unterschiedlichen Schreibtechniken ansiehst. Je nach Persönlichkeit und Schreibtyp, bieten sich unterschiedliche Herangehensweisen an. Welche für Dich die Richtige ist, wirst Du vermutlich nur durch Probieren herausfinden können.

Der strategische Typ

Bist Du vom Typ her strategisch veranlagt, Du erkennst Dich also zum Beispiel darin wieder, dass der Wocheneinkauf sehr umfangreich nach Einkaufszettel stattfindet oder bei der Urlaubsplanung sämtliche Tagesausflüge schon vor der Abreise berücksichtigt werden, dann findet das Schreiben wohl auch zielgerichtet und strukturiert statt.

checkliste für strategisches Schreiben

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Dir wird das Ziel oder der Schluss stets vor Augen schweben und die Schreibziele, die Du Dir gesetzt hast, kannst Du meist erreichen, da Du wenig abschweifen wirst. Schreibst Du Dich dann doch einmal fest, ist ein Thema doch komplexer als gedacht oder gerätst Du unter Zeitdruck, ist die Gefahr einer Schreibhemmung oder gar Schreibblockade relativ hoch.

Der intuitive Schreiber

Schreibst Du eher intuitiv und spontan los, steckt meist viel Eigenantrieb dahinter. Kaum setzt Du Dich dran, steht der Anfang schon auf dem Papier. Zeitdruck kennst Du beim Schreiben nicht. Der kann aber gerne einmal bei der Überarbeitung entstehen, wenn die unter Deinem Schreibfluss gelittene Strukturierung nachgeholt, Deine Formulierungen für Deine Zielgruppe leichter lesbar oder ganze Abschnitte voller Abschweifungen umgeschrieben werden sollen.

Voller Wissen und Informationen

Oder Du arbeitest wie viele Journalisten, bist tief in einem Thema, schreibst Deine Gedanken nieder und überarbeitest den Text dann so lange, bis er ein gutes, leicht lesbares Bild ergibt. Dadurch gehen selten Punkte / Fakten verloren, welche Du in Deinem Text unterbringen wolltest. Irgendwann stellst Du aber wohl infrage, ob auch alles richtig, gut formuliert und vollständig ist. Und die Gefahr steigt, dass Du nie wirklich zufrieden bist mit dem, was dasteht.

Der chaotische Ansatz

Es gibt sicher noch viel mehr Schreibtypen. Etwa Leute, die bunt durcheinander an unterschiedlichsten Stellen des Projekts schreiben, wie ihnen gerade der Kopf steht. Sie sind immer mit dem richtigen Mood und viel Spaß bei der Sache, haben dann später allerdings viel Aufwand beim Überarbeiten. Damit möchte ich aufzeigen, dass egal wo Du Dich wiederfindest, kein Ansatz der falsche ist und keiner perfekt oder leichter. Es gilt den zu finden, bei dem Du Dich wohlfühlst.

Schreibtechniken

Das Gleiche gilt für die Technik, die wir beim Schreiben nutzen. Falsch gibt es nicht, sie muss für Dich funktionieren. Wenn man im Internet recherchiert oder Bücher über das Schreiben liest, könnte man schnell den Eindruck bekommen, Schreiben ist ein Handwerk: So geht‘s und diese Werkzeuge musst Du nutzen! Persönlich sehe ich Schreibtechniken eher als eine Schwimmhilfe für nicht so geübte Wassersportler in unsicherem Gewässer. Keiner muss sich auf Schwimmbrett, Schwimmring oder einen bestimmten Auftriebskörper festlegen. Je nach Gegebenheit nutzt er den, welchen er gerade als den Angenehmsten empfindet.

Brainstorming

Am Brainstorming wird wohl selten ein Autor vorbeikommen, ohne dies als seine Schreibtechnik bezeichnen zu wollen. Als Brainstorming wird bezeichnet, wenn man allein oder mit mehreren, meist innerhalb eines gesetzten Zeitrahmens von bis zu 15 Minuten, alle Stichpunkte wir Puzzleteile zusammenträgt, welche einem zum Thema einfallen.

Gehirn-Puzzle

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Ausgewertet, sortiert und aneinandergefügt wird das alles später. Dieses Stichpunktesammeln erfolgt dann meist direkt vor dem Schreiben einer Szene oder eines Kapitels. Ein klarer Nutzen kann darin liegen, dass Du in dem Moment überprüfen kannst, ob Dir noch Informationen fehlen, also noch Recherchebedarf besteht.

Cluster-Methode oder auch Mindmapping

mindmapping

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Das ist eigentlich nichts wirklich anderes. Nur nimmst Du Dir dabei mehr Zeit und sortierst und bewertest schon während des Brainstormings. Dabei kann Dir eine entsprechende Software durchaus hilfreich sein.

Freies Schreiben

Einen Schritt weiter geht das freie Schreiben. Der Text wird dabei intuitiv, so wie er dir als Autor gerade in den Sinn kommt, aber in Form von ganzen Sätzen niedergeschrieben. Lesbar und schön formuliert wird im nächsten Schritt. Das Vorgehen beschränkt sich hinsichtlich Schreibtechnik auf die beim Schreiben eines Aufsatzes in der Schule: Idee / Vorbereitung / Gliederung / Feinschliff.

Schneeflocken-Methode

Wie Du sehen kannst, geht es bei den Schreibtechniken nicht nur darum, WIE Du schreibst, sondern WAS Du WIE schreibst. Also um Deine Herangehensweisen. Was für mich noch am Ehesten einer Technik nahe kommt, ist die Schneeflocken-Methode. Grob gesagt werden hier einzelne Gedanke als Grundaussage einer Szene oder eines Kapitels formuliert und diese so lange umgeschrieben und ausgeschmückt, bis aus einem Punkt eine Schneeflocke mit all ihren Verzweigungen, ihrer Komplexität und ihrer einzigartigen Schönheit entsteht.

Vielleicht ist im Ergebnis die Herangehensweise, wie sie Schülern für Aufsätze empfohlen wird, gar kein so falscher Ansatz?

  • Thema / Idee:          ____________________________________
  • Inhalt in 2 Sätzen:   ____________________________________
  • Personen:                ____________________________________
  • Anfang:                   ____________________________________
  • Konflikte:                 ____________________________________
  • Höhepunkt:             ____________________________________
  • Schluss:                   ____________________________________

Wenn Du nun erkannt hast, welcher Schreibtyp Du bist und welche Schreibtechnik am besten zu Dir passen könnte, lies Dir die Schreibtipps durch! Von Anfang an bekannt, können sie Dir viele Umwege ersparen!

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