Dialoge schreiben
Lesedauer 10 Minuten

15 Tipps zum Schreiben von Dialogen

 ◊ Dialoge sind nicht nur bei Filmen das Salz in der Suppe. Mit lesefreundlichen, aber auch „glaubwürdigen“ und natürlichen Dialogen, wirst Du Deine LeserInnen noch besser erreichen. Hier bekommst Du einige Tipps, die Dir das Schreiben von Dialogen erleichtern.

„Glaubwürdig“? Ist es Dir noch nie beim Lesen oder Hören so gegangen, dass Du denkst, so redet doch keiner? Vielleicht nicht. Aber dann behalte diese These die nächsten Tage oder Wochen beim Schauen von Filmen oder Lesen von Büchern im Hinterkopf: Dialoge kommen bei LeserInnen oder HörerInnen besser an, wenn das unterschwellige Gefühl „so redet doch keiner“ nicht aufkommt – und umgekehrt.

„Lesefreundlich“ sollte dann als geistige Bremse dienen. Also nicht ganz so zu schreiben, wie Dir oder Deinem Protagonisten der Schnabel gewachsen ist. Zuviel an Slang-Ausdrücken, Dialekt, Abkürzungen oder Genuschel werden für Deine LeserInnen anstrengend und können den Spaß an Deinem Werk verderben.

Ein Dialog ist…

… der eine Teil der hohen Schule des Schreibens (der zweite, noch viel schwierigere Teil ist es, witzig und humorvoll zu schreiben und das am besten auch noch in Form von Dialogen)!

Dialoge zwischen Menschen

geralt_Pixabay

Tipp 1

Lass Dich auf Deiner Informationsreise zum Schreiben durch Bücher und Internet nicht zu sehr von Begrifflichkeiten wie Dialog, indirekter Rede oder der narrativen Zusammenfassung beeindrucken! Rein aus dem Bauch heraus, wirst Du das eine vom anderen unterscheiden und richtig einsetzen.

An welchem Punkt kommen Dialoge warum zum Einsatz?

  • Der Szene Leben einhauchen, Handlungen unterstreichen

Das ist der klassische Einsatzzweck von Dialogen. Eine Handlung wird nicht nur von außen beschrieben, sondern durch ein Gespräch zum Leben erweckt. Es ist etwas anderes, ob in einer Zeile steht:

– Claudia erklärte ihm, dass er das Geschenk wirklich erst an seinem Geburtstag öffnen dürfe, was Thomas ihr versprach. –

oder

– als Claudia meinte „bitte, bitte öffne das Geschenk erst an deinem Geburtstag!“ erwiderte Thomas leicht schmunzelnd „es wird mir zwar schwerfallen – aber versprochen!“

Andersherum funktioniert das im Übrigen auch. Ein Dialog wird in Verbindung mit Handlungen lebendiger: „Es wird mir zwar schwerfallen, aber versprochen!“ und drückte ihr einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange.

 

Tipp 2

Begleitende Handlungen nur dort einsetzen, wo sie etwas zur Handlung, Stimmung oder späteren Entwicklung beitragen. Der „freundschaftliche Kuss“ könnte hier das Verhältnis der beiden Personen deutlich werden lassen. Wenn Claudia daraufhin mit einem enttäuschten Gesicht die Szene verlässt, wird diese Bemerkung am Rande, zum Anfang eines eventuellen Spannungsbogens.

 

  • Dem Leser oder Zuschauer Wissen vermitteln

    Fragen beantworten

    geralt_Pixabay

Ein Einsatzzweck, der aus meiner Warte bei neuen Staffeln schon lange laufender Serien etwas übertrieben wird. Dort sollen auf diese Weise Zuseher besser eingebunden werden, die neu im Thema sind, indem zum Beispiel Protagonist A Protagonist B erklärt, was er gerade warum tut – was mal besser, mal sehr gekünstelt funktioniert.

Sinnvoll und angebracht kann es aber sein, technische Zusammenhänge oder Ähnliches, dem „dummen“ Leser auf diese Weise zugänglich und verständlich zu machen, die für die Handlung des Werkes wichtig sind.

Warum funktioniert zum Beispiel in Frank Schätzings Werk LIMIT der Weltraumfahrstuhl so wie er funktioniert? Seine LeserInnen bekommen es vermittelt, indem Schätzing es einen der Protagonisten einigen erstmals mitreisenden Personen erklären lässt. Du kannst aber zum Beispiel in der Handlung auch ein Kind Fragen an einen Deiner Protagonisten stellen lassen oder in einem Streit in Form von Vorwürfen, für Deine Leserinnen notwendige Informationen auf das Tablett bringen. 

 

Tipp 3

Du hast das Gefühl, es könnte an irgendwelchen Informationen fehlen, um der Handlung gut folgen zu können? Überlege, welcher Dialog zwischen wem diese Wissenslücke füllen könnte – ohne dass man sofort merkt, dass Du Deine LeserInnen für „dumm“ hältst! Ob das in Form eines Streits, einer amüsanten Szene oder Spannung geschieht, ist egal. Hauptsache keine trockene Erklärung nach dem Motto „dafür muss man wissen, dass…“.

 

  • Um eine langsam voranschreitende Handlung aufzulockern

Eine Handlung kann es erfordern, dass Umfeld, Personen oder anderes ausschweifende und wortreiche Seiten benötigen. Ein gutes Beispiel ist hier Ken Follets „Säulen der Erde“. Mit guten, spannenden oder auch spaßigen Dialogen kannst Du in solchen Situationen Deine LeserInnen prima bei der Stange halten.

Namensnennung und Titel in Dialogen

Über die Nennung von Namen in Dialogen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Meistens überwiegt die Auffassung, diese nicht (zu oft) in die wörtliche Rede einzubauen. Also lieber: „Kannst Du bitte die Post heute noch fertig machen!“ forderte Andreas seine Sekretärin auf. Margot antworte halblaut „ja, sobald ich in den nächsten 10 Minuten die Ablage erledigt, den Boden gefegt…“ – statt: „Margot, die Post bitte heute noch!“ bestimmte er. Ich muss aber noch …., Andreas!“

Kann man so machen, sollte aus meiner Sicht aber von der Situation und den Gesprächspartnern abhängen. Umso besser sich diese kennen, desto weniger werden sie sich in der Regel mit Namen ansprechen – ganz so wie im richtigen Leben. Es sei denn, es soll die Aufmerksamkeit des Anderen erlangt werden. Etwa: „Margot, kannst Du bitte in mein Büro kommen!“. Anders verhält es sich zum Beispiel, wenn sich in Deinem Buch Verkäufer und Kunde unterhalten. Jeder Verkäufer bekommt sehr bald in seiner Laufbahn erklärt, dass nahezu jeder Mensch gerne seinen Namen hört – also persönlich angesprochen wird. Also werden in solchen Gesprächen Namen auch häufiger verwendet.

Auch ist es regional unterschiedlich, wie mit Namensnennungen in Gesprächen umgegangen wird – in Hamburg anders als in München. Das gilt übrigens auch für andere Formulierungen. So wird es in Norddeutschland teilweise als unhöflich angesehen, wenn in Süddeutschland oder Österreich gefragt wird: „Wie wird das bei EUCH im Unternehmen gehandhabt?“ Für den Niedersachsen unvorstellbar hier nicht zu sagen: „Wie wird das bei IHNEN….?“

Ähnlich verhält es sich mit Anreden und Titeln. In Österreich ist es etwa ganz normal, den Professor auch im Gespräch mit Titel anzusprechen, während das in Deutschland eher selten vorkommt. In Amerika ist „Sir“ im Dialog völlig normal, während in Deutschland kaum jemand im persönlichen Gespräch „Herr“ einfügen wird – zumindest nicht ohne die Nennung des Namens direkt danach.

Tipp 4

Informiere Dich bei Deiner Recherche auch über Gepflogenheiten und Besonderheiten im beruflichen oder regionalen Umfeld Deiner Protagonisten, um Dialoge auch für Eingeweihte noch echter wirken zu lassen. 

Akzente, Modewörter und Dialekte im DialogDialekt im Dialog

Wie eingangs schon erwähnt, kommen natürliche Dialoge meist am besten an. Zuviel Genuschel oder Äh stören allerdings den Lesefluss. Das lässt sich auch auf Dialekte oder Akzente übertragen. Kommt eine Deiner Protagonistinnen etwa aus der Pfalz und hat dieses liebenswerte Zischen in der Sprache wird es sehr anstrengend für den Leser, einem Dialog zu folgen, wenn Du versuchst das Sprachmuster komplett umzusetzen. Das eine oder andere „ch“ durch ein „sch“ zu ersetzen, die Dame also „isch“ und „misch“ sagen zu lassen statt „ich“ und „mich“, gibt dem Charakter dagegen Form. Ähnlich bei Ausländern in der Handlung. Amerikaner etwa, tun sich meist mit den Umlauten in der deutschen Sprache schwer. Also kann das Ersetzen von ä, ü und ö durch den entsprechenden Selbstlaut schon viel bewirken. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die deutsche Grammatik und ihre Hürden, mit der sich Nicht-Muttersprachler noch schwerer tun als viele Deutsche.

Modewörter, Slang oder Jugendsprache bergen darüber hinaus noch ein anderes Problem: heute noch modern sind sie morgen schon von gestern! Wer sagt heute zum Beispiel noch „knorke“ – außer vielleicht einigen alteingesessenen Berlinern. Und genau hier kann es ein Stilelement zur Profilierung einer Figur sein. Darüber hinaus sorgen solche Ausdrücke aber dafür, dass Dein Werk, welches beim Schreiben so schön zeitgemäß klang, in einigen Jahren von gestern ist! Soll es in einigen Jahren also nicht bewusst den Zeitgeist wiedergeben, vermeide eine zu häufige Verwendung!

Tipp 5

Wenn Du jemanden mit Dialekt anlegst, dann in einem, der Dir geläufig ist. Es kann recht peinlich werden, wenn der Rheinländer sein Klischee-Bayrisch versucht in Sprache umzusetzen. (- oder lass es jemanden Lesen, bevor Du es weitergibst)

Tipp 6

Weniger kann mehr sein. Einige wenige einen Dialekt oder Akzent prägende Ausdrücke vermitteln die Herkunft, behindern aber nicht das Lesen.

Tipp 7

Lege Dir spätestens an diesem Punkt eine Übersicht zu Deinen Protagonisten mit all ihren Eckdaten und Besonderheiten an!

Tipp 8

Vermeide Modewörter, um in Dein Werk in einigen Jahren nicht alt klingen zu lassen!

alle reden durcheinander

geralt_Pixabay

Wer sagt was?

Man sollte meinen, dass es beim Dialogeschreiben einfach ist, Deine LeserInnen wissen zu lassen, wer gerade spricht. Schnell kann das aber kindlich und unprofessionell wirken. Hier kommt die Inquit-Formel ins Spiel.

Wikipedia sagt dazu: „Die Inquit-Formel ist eine formelhafte Redeeinleitung. Wenn ein Erzähler die Rede von Figuren berichtet, markiert er diese in vielen Fällen mit einer Inquit-Formel. Inquit-Formeln bestehen im Allgemeinen aus einem Nomen oder Pronomen, das den Sprecher angibt, und einem Verb des Sagens.“

Sogenannte Inquits oder Sprecherverben wie „er, sie, es sagt” oder „sagte” zeigen, wer in einem Dialog gerade spricht. Solche Redebegleitsätze sollten niemals in den Vordergrund rücken, also möglichst knapp bleiben. Ein schlichtes „sagte Andreas“ reicht meist vollkommen aus. Die Grenze zwischen der zu häufigen Verwendung der immer gleichen Wörter und dem fast zwanghaften Versuch, mit Synonymen zu arbeiten, ist dabei fliesend. Du kannst gut aussagekräftige Verben wie „fauchte“, „flüsterte“ oder „schrie“ einbauen. Sie können Deine Szene zusätzlich unterstreichen. Auf der anderen Seite wird ein „sagte“ vom Leser unbewusst als Information aufgenommen, während ein „brummte“ mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es gibt keine feste Regel, was wann besser ist. Beim Schreiben und der Überarbeitung kann Dir das Wissen darüber den Weg ganz gut weisen.

Tipp 9

Versuche Stimmungen lieber durch Beschreibungen des Verhaltens, etwa „trommelte nervös mit den Fingern auf dem Tisch“, als mit besonders kreativem Schreiben – „gab mit vor Nervosität zitternder Stimme von sich“ zu übermitteln.

Redebegleitsätze 

Sie können ein gutes Werkzeug sein, Deinen Leserinnen Informationen über die sprechenden Personen zu vermitteln. „Sagte die mandeläugige Schönheit“ kann aber auch unnötig vom Dialog ablenken. In vielen Fällen scheint es besser, den Namen, ein er oder sie oder die Rolle zu verwenden – „sagte die Kellnerin“.

Tipp 10

Prüfe Deine Redebegleitsätze (spätestens bei der Überarbeitung) darauf, ob sie nicht zu ausschmückend geraten sind!

Redebegleitsätze sind nicht zwingend notwendig. Sehr elegant kann es sein, die Handlung der Personen so zu beschreiben, dass klar ist, wer in dem Moment spricht: Margot fluchte in sich hinein. „Ja, sobald ich in den nächsten 10 Minuten die Ablage erledigt, den Boden gefegt…“

Tipp 11

Nutze keinen Redebegleitsatz, wenn aus der Handlung klar ist, wer gerade spricht! Gleiches gilt natürlich, wenn sich zum Beispiel nur zwei Personen unterhalten. Hier ist es nur bei längeren Dialogen sinnvoll, hin und wieder anzumerken, wer etwas sagt.

Noch zwei Anmerkungen:

– Bei längeren Sätzen/Monologen sollte vor der wörtlichen Rede klar sein, wer gerade spricht. Ansonsten kann es passieren, dass Du Deine LeserInnen verwirrst.

– Lachte, nickte und ähnliche sind keine Verben, die im Sinne der Inquit-Formel funktionieren. Man kann keine Worte nicken! Also wenn jemand nickt, dann bitte vor den Worten: Margot nickte: „Ja, sobald ich in den nächsten 10 Minuten die Ablage erledigt, den Boden gefegt…“

 

Schimpfen und Fluchen in Dialogen

Fluchen in Dialogen

Clker-Free-Vector-Images_Pixabay

Beides ist erlaubt, wenn es zu dem sprechenden Charakter gehört und passt. Allerdings scheint es ratsam, je nach Genre, sparsam damit umzugehen.

Üben, üben, üben

Wie Anfangs erwähnt, zählen Dialoge zur hohen Schule des Schreibens. Hier trennt sich in Büchern (und auch Filmen) schnell die Spreu vom Weizen. Den wenigsten wird es von Grund auf leichtfallen, Dialoge zu Papier zu bringen, die den LeserInnen auch Freude beim Lesen bereiten. Da hilft nur eines: üben, üben, üben! Wobei hier üben nicht nur bedeutet, Dialoge zu schreiben, so lange, bis die Finger glühen und sie lesbar erscheinen, sondern vor allem zuzuhören und zu lesen.

Tipp 12

Setze Dich in ein Café, auf eine Parkbank oder in die U-Bahn und lausche den Gesprächen Fremder! Bewusstes Zuhören schärft Dein Gefühl dafür, was einen guten Dialog ausmacht. Die Regeln von Gesprächen auf Augenhöhe, Vorwürfen…. Werden Dir somit bewusst. Aber auch für den Subtext, der durch unterschiedliche Ausdrucksweisen beim Zuhörer ins Unterbewusstsein dringt, bekommst Du ein Händchen.

Tipp 13

Höre Podcasts mit mehreren Sprechern! Auch hier kannst Du (bei guten Podcasts) viel lernen. Sind diese doch darauf angewiesen, ausschließlich über die Dialoge zu wirken.

Tipp 14

Schaue Filme (und nicht nur Action), lese Bücher und vor allem Comics!

Tipp 15

Lese die Dialoge von Drehbüchern! Im Netz gibt es genügend zu finden: screenwriter.ch digitaleleinwand.de oder  indiefilmtalk.de

 

Einen guten Dialog zu schreiben ist kein Zauberwerk. Mit etwas Übung und unter Beachtung der für Dich brauchbaren Tipps, wirst Du schnell noch bessere Dialoge schreiben!

gut geschriebene Dialoge

geralt_Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.